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Weltsichten – Digitalisierung und Erschließung fotografischer Archive bedeutender Forschungsreisender

Weltsichten – Digitalisierung und Erschließung fotografischer Archive bedeutender Forschungsreisender

Projektträger: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Weltsichten – Digitalisierung und Erschließung fotografischer Archive bedeutender Forschungsreisender

Kurzbeschreibung

Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Drittmittelprojekt, kooperativ beantragt und durchgeführt von der Deutschen Fotothek der Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden und den Staatlichen Ethnographischen Sammlungen Sachsen der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, hat die Erschließung und Digitalisierung von 86.000 Fotografien europäischer (Forschungs-)reisender zum Ziel. Urheber der rund 50 Konvolute aus der Zeit von 1870 bis 1960 waren neben bedeutenden Wissenschaftlern aus den Bereichen Geografie und Ethnologie auch hochgebildete Dilettanten und ambitionierte Laien.
Aus den Beständen der SES und der Deutschen Fotothek entsteht eine umfangreiche digitale fotografische Kollektion, die einen komplexen und multiperspektivischen Blick auf außereuropäische Lebenswelten und Naturräume ermöglicht. Im ausgehenden 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden Bildbestände wie diese in unterschiedlichen institutionellen Kontexten zu Sammlungen zusammengefügt. Dadurch entstanden Konvolute, die den Anspruch zur Dokumentation der Welt verdeutlichen, den deutsche Wissenschaftler und andere Reisende im Kaiserreich, der Weimarer Zeit und im Nationalsozialismus aus ihrer eurozentrischen Perspektive heraus vertraten.
Die Dokumentation historischer Fotografien konzentriert sich häufig auf die Beschreibung von Bildmotiven. Das Projekt „Weltsichten“ erhebt zudem Informationen über Bildträger, Urheber, Sammlungskontexte sowie Entstehung und Nutzung der fotografischen Dokumente. Für die einzelnen Konvolute wird auf Grundlage von Quellen und nach den zuvor benannten Kriterien jeweils eine umfangreiche collection description angelegt, die nach Möglichkeit auch eine Skizzierung der Reiseroute und die Intentionen des Bildurhebers enthält. Auf diese Metadaten sind moderne Bildwissenschaften angewiesen, die zunehmend nach Sammlungs- und Forschungskontexten sowie den Entstehungsbedingungen von Fotografien fragen. Visual History, Ethnographie oder die Missionsgeschichte untersuchen fotografische Dokumente heute vor dem Hintergrund ihrer kulturellen, politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.
Mit seinem Autoren- und Provenienz-orientierten Ansatz trägt das Projekt „Weltsichten“ einem mehrschichtigen Bildbegriff Rechnung. So stehen die ethnographische und geografische Fotografie sowie die an ihrer Entstehung beteiligten Akteure im Mittelpunkt des Interesses. Europäische Reisende fotografierten außereuropäische Kulturen oder das alltägliche Leben mit seinen Sitten und Gebräuchen. Mit unterschiedlicher Motivation dokumentierten sie das Leben fremder Ethnien, koloniale Architektur oder geografische Gegebenheiten sowie geologische Formationen.
Aus heutiger Sicht geben die Aufnahmen des Projekts „Weltsichten“ zudem komplexe Einblicke in historische Mikrokosmen in Afrika, den beiden Amerikas, Asien, den Polarregionen und im Pazifik. Sie bieten auch Wissenschaftlern in den Herkunftsländern dieser Fotos umfangreiche Einblicke in ihre Vergangenheit, dazu trägt die bilinguale Verschlagwortung in Deutsch und Englisch bei. Geografische Schwerpunkte sind das Gebiet der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika und angrenzende Gebiete, Südamerika sowie Süd- und Südostasien.

Ergebnisse und Ziele

Die meisten der für das Projekt zu bearbeitenden Fotografien sind bislang unveröffentlicht und der zeitgenössischen Forschung daher weitgehend unbekannt. Sie werden nun erstmals einer interessierten Öffentlichkeit frei zugänglich im Portal Weltsichten der Deutschen Fotothek zur Verfügung gestellt (deutschefotothek.de/weltsichten). Mit dem Portal entsteht somit eine komplexe, vielschichtige Bildersammlung für alle bildwissenschaftlich interessierten Disziplinen. Die Bestände der SES sollen darüber hinaus in die Online Collection der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden einfließen. Außerdem werden die Projektergebnisse in die Virtuelle Fachbibliothek Ethnologie (EVIFA), den Fachinformationsdienst Kunst.Fotografie.Design (www.arthistoricum.net) und in weitere Onlineportale wie die Deutsche Digitale Bibliothek und die Europeana integriert.

 


Laufzeit

August 2015 - Juli 2017

Projektleiter

Gilbert Lupfer, Leiter der Abteilung Forschung und wissenschaftliche Kooperation Forschung und wissenschaftl. Kooperation
Agnes Matthias, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Forschung und wissenschaftl. Kooperation

Projektmitarbeiter

Alexander Haß
Katja Hofmann
Friederyke Röttger
Anna Schleicher
Philipp Stöver

Einblicke


  • Unbekannter Fotograf, „Orotschone in einem mit Renntierhaar ausgenäthen Mantel“, Nordasien, Sibirienexpedition der Kaiserlich-Russischen Akademie der Wissenschaften 1889/90, Silbergelatine-papier, 16,2 × 11,1 cm, © Museum für Völkerkunde Dresden, SKD, Foto: Irene Godenschweg

Partner


Weitere Projekte


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Forschungsprogramm: Europa / Welt

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